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Info - JBL schließt seine Werke in den USA

Begonnen von Captn Difool, Donnerstag, 01.April.2010 | 13:56:28 Uhr

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Captn Difool

Aus dem JBL-Heritage-Forum mußte ich die traurige Nachricht erfahren, das der Mutterkonzern Harman International entschieden hat, das traditionsverbundene JBL-Werk in Northridge California zum 01.07.2010 zu schließen und die Produktion ohne wirtschaftliche Not nach China und teilweise Mexico auszulagern. Dies erinnert ein wenig an die Vorgehensweise von Nokia, sein Werk von Bochum nach Rumänien zu verlagern.

Die Nachricht haben die amerikanischen wie internationalen JBL-Freunde mit großer Bestürzung aufgenommen, da man einen deutlichen Qualitätsverlust befürchtet und der Ruf von JBL damit vernichtet wird. Zur Erinnerung: James B. Lansing hatte sich 1947 erhängt, um mit seiner daraus erfolgenden Auszahlung seiner Lebensversicherung das Lansigwerk zu retten. Es hatte Erfolg, in den beiden folgenden Jahrzehnten erlangte JBL in seiner Branche Weltruhm und wurde zum führenden Hersteller hochwertiger Elektroakustik auf der Wiedergabeseite. Kaum ein Studio, welches keine JBL-Produkte hatte.  Nun kann man sich fragen, wofür ist Lansing gestorben? Harman International folgt nun dem unseligen Trend, alle Produktion aus den USA in Billiglohnländer, vorrangig China aus reiner Profitgier auszulagern. Nicht ohne Grund entstand genaus aus solchen Handlungen das große Handelsdefizit gegenüber China.

Wie auch immer, ich will hier keine politische Diskussion über das Weh und Ach dieser Entwicklung anstoßen. Vielmehr werden die klassischen JBL-Produkte wie die berühmten 15"-Tieftöner und die Druckkammertreiber der verbleibende Nachlass von JBL bleiben, die Preise werden wohl nun dafür kontinuierlich auf Sammlerniveau steigen.

Angemerkt bleibt noch, das die Produktpalette im Professionalbreich schon seit einigen Jahren stagnierte und immer kleiner wurde. Der Mutterkonzern legte wohl eher Wert auf preiswerte Multimediaprodukte als auf hochwertige Wiedergabetechnik. JBL bietet viele 5.1-Sourroundanlagen und I-Pod-Docks an (welche bereits alle im Ausland gefertigt werden), aber bei anspruchsvollen HiFi sucht man vergebens. Lediglich in Japan hat man noch einen Markt und auch die Japaner werden wohl nun schauen müssen, wo sie ihre Kultlautsprecher herbekommen werden. Ab Jahresmitte wird also "JBL - Made in U.S.A." Geschichte sein.

PeZett

Ja - so gehen sie dahin, die grossen Namen von Einst...

Hier können Interessierte schon mal nachschlagen, welche Labels in den nä.
Jahren ein ähnliches Schicksal erleiden werden.

http://www.harman.com/EN-US/OurProducts/Harmanbrands/Pages/AKG.aspx

Viele Grüße

Peter
Wege entstehen dadurch, dass man sie geht. (F.Kafka)

be.audiophil

Moin André,

ja, traurig ... aber eine Folge heutiger vom Finanzmarkt getriebenen Managerentscheidungen ... man denkt nur noch von der Tapete bis zur Wand ... Amortisation und Gewinn müssen sich bei Aktiengesellschaften bereits in der Quartalsbilanz ausdrücken ... tun sie das nicht, sind diese Bereiche finanzmathematisch unrentabel ...

... und da JBL ja eh schon ein Nischenprodukt war ... :wallbash

... also ist auch die derzeitige Bestrebung zur Transaktionsbesteuerung der falsche Weg ... das dauerhafte Aussetzen der Quartalsbilanzen und eine Erweiterungspflicht für Jahresbilanzen um eine AfA-Tabelle und z.B. eine Amortisations- oder besser noch Strategieprognose wäre der richtigere Weg ... damit würden nachhaltige Investitionen erst sichtbar ... so ist das nur eine Besteuerung der Momentaufnahme ohne wirtschaftliche Aussagekraft, die zudem auch nur gewinnmindernd und damit aber auch steuerreduzierend wirkt ...  :flööt:

Captn Difool

Noch schlimmer ist, was die jungen Leute so an den Unis eingetrichtert bekommen, da werden jene "BWLer" gemacht, die solchen Bockmist verzapfen. Es sollte wesentlich mehr Schwerpunkt auf VWL gelegt werden und wie BWL damit in Wechselwirkung tritt. Aber das ist wie oben geschrieben eine andere Geschichte.

be.audiophil

Moin André,

och das ist nicht nur bei den Wirschaftlern so ... ich hatte da vor Kurzem mal einen Elektrotechniker mit Fachrichtung Akustik auf meinen Sofa sitzen, der erklärte, daß er während des Studiums an zwei anerkannten und als gut beleumundeten Hochschulen im IN- und Ausland zwar auch mit Mikrofonierungen und Aufnahmeverhalten experimentierte bzw. experimentieren mußte (Semeseterarbeit), kannte aber weder den Unterschied zwischen einer Nieren- und Kugelcharakteristik noch den erhörbaren Unterschied zwischen Mono und Stereo ... ;0001 ... und arbeitet heute bei einem Lautsprecherhersteller ... mich wundert da (an unserem Bildungswesen) ehrlich gesprochen schon lange nichts mehr ... :wallbash

Captn Difool

...einfach nur noch traurig.  :_sorry: Bei so einem "Wissen" darf ich mich dann getrost Ingenieur nennen, auch wenn ich kein Papier dazu habe.  :flööt:

nix1euro

Moin, Junx !

Das erinnert mich an den Werbeslogan: " DAS geht auch billiger " bzw. an die trödelmarktstrategische Aufforderung: " Musdün mache billiga ! "

Fast immer ist damit ein Qualitätsverlust aus unterschiedlichen Gründen verbunden.

Wenn ich mir z. B. - als Querverweis - die ab Werk verzogenen Acrylhauben der Pro-Ject Fräsen ( so auch gewisse DUAL ) anschaue, bekomme ich feuchte Augen und den Drang, nur mal kurzerhand den Tonarm ( für alle Fälle ) zu demontieren und den Rest beim Händler einfach stehen zu lassen. Manch einer kann noch die MDF-Plattenteller zu Dart-Scheiben umbauen. Mehr nicht.

MfG,
n1e